3 Fragen zu leistungsfähigen Netzen

direkt: Die Elektromobilität kommt bundesweit in Schwung. Was passiert, wenn alle Fahrzeuge eines Tages elektrisch fahren? Können das die Stromnetze in Homburg noch leisten?

Christian Krämer: Wir verfügen in Homburg über gute Voraussetzungen für eine verstärkte Nutzung von Elektrofahrzeugen. Das ist der Anforderung zu verdanken, dass wir in Homburg mit unseren Netzen und Anlagen als drittgrößter Industriestandort im Saarland schon immer einer hohen Energienachfrage gerecht werden müssen (Anmerkung der Redaktion: 43 000 Einwohnern stehen in Homburg rund 30 000 Arbeitsplätze gegenüber). Dies hilft uns hinsichtlich der zunehmenden Elektromobilität in den nächsten Jahren. ­Allerdings gibt es auch bei uns Gebiete, in denen wir heute die ­Ladeleistung etwas begrenzen müssen. In den kommenden Jahren werden wir daher weiterhin systematisch Teile unserer Netze und Anlagen erneuern. Zugleich setzen wir auf neue Technologien zur Steuerung der Leistung der Ladepunkte. Der Schlüssel für die Elek­tromobilität sind die sogenannten intelligenten Netze, das heißt, wir werden in Zukunft durch geeignete Steuerung die Lastverteilung beim Laden von Elektrofahrzeugen beeinflussen können.

Wie viele Lademöglichkeiten oder Ladepunkte gibt es heute ­bereits im Stromnetz der Stadtwerke Homburg?

Aktuell sind über 130 Wallboxen in Homburg installiert und einige öffentliche Ladesäulen. Es handelt sich bei den Wallboxen zumeist um Anlagen bis zu einer Leistung von 11 Kilowatt (kW). Sie sind bei uns anzeigepflichtig, das heißt, wir müssen von einem zugelassenen Installationsunternehmen eine Anmeldung haben. Eine Genehmigung für ihren Betrieb muss aber nicht beantragt werden. Sollten die Ladeleistungen allerdings mehr als 11 kW betragen, ist es nötig, dass wir ­zuvor die Netzkapazität prüfen und festlegen, ob eine ­Installation möglich ist. Es muss dann von uns eine Genehmigung erfolgen. Bisher haben wir aber keine Anfrage abgelehnt. Jedoch gab es, wie bereits erwähnt, bei größeren Leistungen in Einzelfällen die Situation, dass wir die Leistung begrenzen mussten.“

Wie viele Fahrzeuge könnten nach Ihren Berechnungen in naher Zukunft in Homburg mit Strom unterwegs sein?

In unserem Netzgebiet sind 25 700 private Haushalte und 2 500 gewerbliche Gebäude ans Stromnetz angeschlossen. In der Summe sind es also 28 200 Einheiten. Bei einer Fahrzeugdichte von 0,673 Kfz pro Einheit entspricht dies theoretisch rund 19 000 Fahrzeugen, die elektrisch betrieben werden könnten. Damit haben wir eine klare Zielvorgabe für die Leistungsfähigkeit unserer Netze in den nächsten Jahren. Allerdings kommen durch die zunehmende Nutzung von Wärmepumpen, Klimaanlagen und anderen Techno­logien weitere Anforderungen auf uns zu, denen wir mit unseren Stromnetzen ebenfalls gerecht werden müssen. Darum investieren wir kontinuierlich in unsere Netze und Anlagen.

Foto: Stadtwerke Homburg